Am 1. Juni war es nun endlich soweit: Aus der Wanne 1 in unserem neuen Glaswerk in Schleusingen floss das erste Glas, einen Tag später wurde die erste Maschine in Betrieb genommen. Anstrengende letzte Wochen, geprägt und erschwert durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, fanden nun zunächst ein glückliches Ende. Dass der angestrebte Zieltermin 25. Mai verfehlt wurde, hat in hohem Maße damit zu tun, dass die nach und nach auftretenden, Corona bedingten Schwierigkeiten letztendlich zu viele der zur Verfügung stehenden zeitlichen und personellen Ressourcen aufbrauchten.

Als es mit Corona richtig losging, standen zwei Punkte vor allem im Fokus: Um die eigene Fertigung zu sichern, musste die Stammbesetzung halbiert werden. Versucht man dann, mit halbem Personal ein Werk am Laufen zu halten und noch Schulungen auf der Baustelle zu machen, funktioniert das irgendwann nicht mehr. Deshalb musste dieser Punkt auch nahezu auf null zurückgefahren werden. Die Bestandsmitarbeiter durften dann nur noch in kleinem Umfang auf die Baustelle, um nicht zwischen Werk und Baustelle einen Übertrag von Corona zu riskieren und auch im schlimmsten Fall einen Betrieb im Werk aufrechterhalten zu können.

Inbetriebnehmer, aber auch ganze Firmen sind nicht mehr auf die Baustelle gekommen; hier mussten Alternativen gesucht werden. Große Firmen wie Zecchetti, die nur noch mit 15 von ursprünglich 45 Mitarbeitern auf der Baustelle waren, weil zum Beispiel viele Slowaken, die dort beschäftigt sind, nicht mehr einreisen durften, mussten mit deutlich reduzierter Personalanzahl auskommen. In diesem Fall war es allerdings so, dass Mitarbeiter seit der zweiten Januarwoche vor Ort waren und dablieben, ohne Heimatbesuch, sechs Tage die Woche auf der Baustelle. Andere ausländische Nachunternehmer haben mit dem Beginn der Coronarestriktionen komplett abgebrochen und sind auch nicht mehr gekommen. Von insgesamt 450 Beschäftigten auf der Baustelle im Schnitt, waren es nach Beginn Corona nur noch etwa 250.

Darüber hinaus waren zu viele Branchen betroffen, in denen alle paar Wochen dann auch wieder von Gesetzgeberseite neue, Corona bedingte, Vorschriften aufgedrückt wurden, die in den ganzen Bauablauf mit eingebunden werden mussten.

Am Schluss war es vor allen Dingen schwierig, Inbetriebnehmer, Sachverständige und ähnliche Leute zu bekommen, weil diese nur sehr eingeschränkt oder noch gar nicht wieder gearbeitet haben. Verschiedene TÜV-Institutionen fuhren nicht raus, unser Brandschutzbüro hat bis vier Wochen vor dem geplanten Start gar nicht gearbeitet und ist nicht auf Baustellen gefahren, ebenso der Brandschutzprüfer. Auch bei Inbetriebnahmen ist es immer wieder zu Verzögerungen gekommen und da auch unser Personal vor dem Start noch einmal an die Maschinen musste, haben wir den Puffer, den wir hatten, soweit aufgebraucht, dass eine Woche vor dem eigentlichen Start beschlossen wurde, dass mit dem aktuellen Stand der Baustelle nicht guten Gewissens in die Temperphase gegangen werden konnte. Letztendlich sind wir froh, keine positiven Coronafälle auf der Baustelle gehabt zu haben. Es gab lediglich einige Verdachtsfälle, die sich nicht bestätigt haben.

Unser Dank gilt noch einmal allen Mitarbeitern und allen, die auf der Baustelle mitgewirkt haben. Auch wenn es letztendlich mit dem angestrebten Termin nicht geklappt hat, war sowohl bei den eigenen Mitarbeitern als auch bei den externen Firmen, vor allem denjenigen, die bis zuletzt auf der Baustelle geblieben sind, das Engagement extrem hoch.


back